Munich Startup: In den letzten Jahren hat das MTZ seine Strategie weiterentwickelt. Welche Veränderungen waren besonders prägend – und was war der Anlass für diesen Wandel?
Felix Brinkmann: Das MTZ hat sich bei der Vermietung und Akquise auf Unternehmen konzentriert, die tatsächliche Innovationen – über viele Branchen hinweg – erbringen. Zudem konzentrieren sich das Servicekonzept und die räumliche Gestaltung auf die Erwartungen und Bedürfnisse junger GründerInnen. Beispiele hierfür sind ein neuer Empfangsbereich, ein Infosystem, Neueinbau von Duschen, Erweiterung der Fahrradständer und der Ausbau der Community Area. Grundsätzlich sollte das MTZ wieder eine aktivere Rolle im Münchener Ökosystem einnehmen und den Auftrag der Startup-Förderung reaktivieren.
Arno Eggers: Der strategische Wandel war auch eine Antwort auf veränderte Marktbedingungen: höhere Nachfrage nach flexiblen Flächen, steigender Wettbewerb unter Innovationsstandorten sowie ein deutlicher Bedarf an Community-Building. Klar ist auch, dass Startups nicht nur Quadratmeter suchen, sondern ein Umfeld, das Wachstum unter ausreichender Flexibilität ermöglicht. Die Neuausrichtung hat das MTZ klarer positioniert und zugleich die interne Organisation modernisiert. Besonders schön finde ich, dass man das auch an den neu eingezogenen MieterInnen im Haus merkt. Der Gedanke „MTZ“ wird immer mehr gelebt.
MTZ als Scaleup-Hub: Flexible Flächen und professionelle Infrastruktur
Munich Startup: Das MTZ positioniert sich zunehmend als Ort für Scaleups. Wie sieht dieses Selbstverständnis aus, und was bedeutet das konkret für die MieterInnen und das Angebot im Haus?
Felix Brinkmann: Ein wesentlicher Aspekt ist die flexible Anmietung. Unsere MieterInnen können ihre Büroräume je nach Wachstum unkompliziert, schnell und bedarfsorientiert erweitern. Darüber hinaus kann die hochwertige und professionelle Infrastruktur des MTZ genutzt werden, die sowohl in der Außenwirkung als auch bei der Mitarbeitendengewinnung ein wichtiger Punkt ist.
Arno Eggers: Das Scaleup-Selbstverständnis bedeutet auch, dass wir Startups in einer kritischen Phase begleiten. Nämlich dann, wenn erste Erfolge vorliegen, aber Strukturen, Prozesse und Teams schnell wachsen müssen. Dafür schafft das Team vor Ort Rahmenbedingungen, die Stabilität bieten: klare AnsprechpartnerInnen, planbare Flächenentwicklung, professionelle Services und ein Umfeld aus ähnlich wachsenden Unternehmen.
Munich Startup: Welche Branchen oder Technologien prägen aktuell die Startups im MTZ? Hat sich das Portfolio in den letzten Jahren verändert?
Felix Brinkmann: Die Branchen und Technologien sind bewusst sehr breit gefasst. Duch die Schnelllebigkeit sowie die hohe Innovationsdichte ändern sich die Technologien sehr rasch. Entsprechend der aktuellen Trends verschiebt sich auch das Portfolio des MTZ.
Munich Startup: Felix, du bist seit drei Jahren Leiter des MTZ. Welche Erfolgsgeschichte eurer Startups hat dich in dieser Zeit besonders beeindruckt?
Felix Brinkmann: Ein Beispiel ist das Universitäts-Spin-off Noxon. Das Team kommt ursprünglich aus der medizinischen Forschung und entwickelt nun ein bionisches Sensorsystem, das anwenderfreundlich in Textilien und Kleidung integriert ist. Beeindruckend hierbei ist, wie Noxon es schafft, die Expertise von Universitäten, neurowissenschaftlichen Erkenntnissen und weiteren ExpertInnen im Gesundheitswesen zusammenzuführen und daraus ein äußerst nützliches Produkt zu erschaffen. Darüber hinaus ist es dem Team gelungen, trotz anfänglicher Widrigkeiten in einem herausfordernden sowie hoch regulierten Marktumfeld eine beeindruckende Expansion umzusetzen. Als MTZ sind wir stolz, Noxon als Mieter zu haben, denn das Team imponiert nicht nur mit seiner Geschäftsentwicklung, sondern ist auch bei Netzwerktreffen präsent, beeindruckt beim Volleyball vor dem MTZ-Gelände und erzielt auch am Kickertisch Bestleistungen.
Zusammenspiel in der MGH
Munich Startup: Das MTZ ist Teil der Münchner Gewerbehof- und Technologiezentrumsgesellschaft (MGH), ebenso wie Munich Startup. Wie würdet ihr die Zusammenarbeit und Rollenverteilung zwischen diesen Einheiten beschreiben?
Felix Brinkmann: Insgesamt sehr gut. Das MTZ ergänzt das Angebot der MGH und bietet für Startups passende und unkomplizierte Angebote. Damit leistet die MGH einen wichtigen Beitrag, zentrale Wirtschaftakteure im Münchner Raum zu unterstützen.
Arno Eggers: Die Verzahnung zwischen MTZ und Munich Startup gewinnt zunehmend an strategischer Bedeutung. Während das MTZ physische Räume, Community und Infrastruktur bereitstellt, übernimmt Munich Startup die Rolle des zentralen Informations- und Kommunikationskanals im Ökosystem. Das war der Plan, als wir die Einheiten vor einiger Zeit organisatorisch zusammengelegt haben. Die MGH bildet den organisatorischen Rahmen, innerhalb dessen beide Einheiten immer enger zusammenarbeiten können.
Munich Startup: 2017 wurde das MTZ als „Spinne im Netz“ beschrieben. Wie hat sich das Netzwerk seitdem verändert, insbesondere im Zusammenspiel mit Partnern wie Baystartup oder der Stadt München?
Felix Brinkmann: Sowohl mit Baystartup als auch mit der Stadt München verbindet uns eine enge Geschäftsbeziehung. Baystartup bietet unseren MieterInnen ein umfassendes, kostenloses und in seiner Form einmalig profundes Beratungsangebot. Auch organisieren wir gemeinsam mit Baystartup monatliche Netzwerkveranstaltungen, ein Weihnachtsfest als auch unser Sommerfest, das mittlerweile eines der bekanntesten im Münchner Ökosystem ist. Wir verstehen uns als ein Teil der Stadt München und tragen dazu bei, den Standort mit unserem Angebot zu stärken. Hierbei veranstalten wir gemeinsame Events und das MTZ etabliert sich zunehmend als eines der führenden Startup-Zentren im Münchner Raum. Die strategische Weiterentwicklung erfolgt in enger Abstimmung mit dem Referat für Arbeit und Wirtschaft.
Arno Eggers: Das MTZ hat sich als verlässlicher Partner etabliert, der nicht nur Veranstaltungen ausrichtet, sondern aktiv Impulse setzt – etwa in Themen wie Standortattraktivität, Innovationspolitik oder Flächenentwicklung. Die Integration in städtische Strategien ist intensiver geworden, was sich beispielsweise in der engen Zusammenarbeit mit Spaces4Scaleups zeigt.
MTZ 2: Vision eines modernen Innovationszentrums
Munich Startup: Stichwort „MTZ 2“ – was könnt ihr uns zu möglichen Erweiterungs- oder Neubauplänen sagen? Welche Vision steckt dahinter?
Arno Eggers: Der geplante Neubau des MTZ ist mehr als eine Flächenerweiterung. Es ist ein strategischer Schritt, um neue Zielgruppen zu erschließen, insbesondere technologieorientierte Unternehmen, die auch Test- oder Produktionsflächen benötigen. Gleichzeitig soll ein architektonisch und konzeptionell modernes Zentrum entstehen, das Aspekte wie Nachhaltigkeit, flexible Raumlogiken, Community-Flächen und digitale Services noch stärker integriert. Die Vision ist ein weiterer Innovationshub, der die Attraktivität Münchens in enger Zusammenarbeit mit anderen Playern aus dem Ökosystem weiter steigert. Dabei hilft die Lage im Werksviertel. Dort entsteht aktuell rund um das WERK1 der wahrscheinlich langfristig wichtigste Innovationshub in München.
Felix Brinkmann: Wir sehen, dass unser Angebot sehr gut angenommen wird. Dies zeigt sich daran, dass in den letzten drei Jahren über 50 neue Startups bei uns eingezogen sind. Das MTZ 2 wird unser Angebot nochmal an einem weiteren attraktiven Standort erweitern. Zusätzlich wird es möglich sein, klassische Büroräume mit Werksfläche zu kombinieren.
Munich Startup: Wenn ihr fünf Jahre nach vorne blickt, welche Rolle soll das MTZ dann im Münchner Innovationsökosystem spielen?
Arno Eggers: In fünf Jahren soll das MTZ eine der zentralen Plattformen für technologieorientierte Wachstumsunternehmen in München sein. Wir wollen ein Ort sein, an dem Startups Zugang zu Wissen, Kapital, Talenten und Infrastruktur haben, und gleichzeitig ein starker Partner für das Ökosystem, wenn es um wirtschaftliche Zukunftsthemen geht.